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Montag, 21. Mai 2018

Vortour Mainz - Eltville - Rüdesheim - Bingen - Burgen am Mittelrhein. Ein gelungener Versuch

Vortour Mainz - Eltville - Rüdesheim - Bingen - Burgen am Mittelrhein. Ein gelungener Versuch

Wie schon in den letzten Posts beschrieben, bis Ende Juni ist Radfahren offiziell aus medizinischer Sicht nicht vorgesehen, um den Heilungserfolg durch einen Sturz nicht zu gefährden. Mit dem Birdy habe ich das Fahrrad wesentlich stärker unter Kontrolle, da der Rahmen unter mir verläuft, sodass ein Sturz unwahrscheinlich ist. Damit konnte ich die Ärztin überzeugen und sie setzt darauf, dass ich vernünftig radle. Das tue ich in eigenem Interesse sowieso.
Nach der Reha ist vor der Therapie. Ich dachte ja, die Baustelle ist nur das Ödem im operierten Bein, und dass sollte per Lymphdrainage immer weiter verbessert werden. Aber intensivierte Krankengymnasitik ist weiter nötig, damit die Muskel nicht nur aufgebaut werden, sondern noch besser koordinieren. Ich habe den Eindruck, wesentlich besser als vor dem Unfall. Anhand der Muskelkater spüre ich, welche Muskeln bis jetzt wohl nicht intensiv beansprucht wurden. Meine Kraft hole ich beim Radeln im wesentlich aus dem vorderen Oberschenkelmuskel. Jetzt kommt noch der Muskel auf der Rückseite dazu, die Pobacken und immer neue. Und auf dem nachgiebigen Balance-Pad muss ich erreichen, problemlos eine Minute auf einem Bein stehen zu bleiben.
Ich übe und übe, gehe fast täglich schwimmen, es soll schliesslich gut werden.

Jetzt stand für mich als Herausforderung an, wie es mit der Ausdauer aussieht.

Am Pfingstmontag war das Wetter sommerlich und da probierte ich, was ich mit der Tour am Mittelrhein am 03.06.2018 machen kann. 
Diese Tour wandelte ich folgendermassen ab:
Zielsetzung ist nicht mehr Mainz - St. Goar (Loreley) sondern Mainz - Bingen + Burgen bis Burg Hohneck (gegenüber von Lorch am Rhein). In Mainz fahre ich die ausgefallenen Orte Kaiserdom St. Martin und St. Stephan mit den Fenstern von Marc Chagall. Am Kurfürstlichen Schloss wechseln wir die Rheinseite nach Mainz-Kastell in Wiesbaden. Es geht dann an der rechten Rheinseite entlang Richtung Eltville, Rüdesheim. Dort geht es mit der Fähre rüber nach Bingen und dort linksseitig am Rhein entlang, alle paar Kilometer winkt eine Burg. Ich bin bis 20 km an St. Goar herangefahren. Ich hätte auch bis St. Goar radeln können, aber dann wäre es schon vorher ein Abhetzen geworden, wo man für das schöne keine Zeit hat. Wenn man sich wirklich Zeit nehmen will für die Schönheiten des UNESCO Weltkulturerbes, darf man sich nicht auf einen Endpunkt fixieren. In Eltville und auch vorher schon Walluf als ältester Weinort gibt es zuviel zu sehen, um einfach ohne Stopp durchzuradeln. Dann häufen sich die Weinlokale am Rhein, es ist Mittagszeit, Zeit sich zu setzen und was zu essen. In Winkel könnte man mit der Fähre die Rheinseite wechseln, aber dann verpasst man Rüdesheim. Und das Ufer bei Ingelheim sieht nach der Idylle, durch die man bis jetzt geradelt ist, nicht verlockend aus. So erreicht man Rüdesheim. Man könnte ja jetzt schnell am Stau vorbei zum Fähranleger radeln, um schnell auf die Pfälzer Seite zu kommen. Aber wenn man schon hier ist, dann muss man auch auf Touri machen und durch die Drosselgasse gehen. Rüdesheim geht nur zu Fuss zwischen den anderen Touristen und den Touristenbähnchen. Auch wenn man nicht einkehrt und kauft, sondern nur guckt, Zeit braucht man. Bingen kann man über den Radschnellweg schnell verlassen. Eine geniale Idee. Er besteht aus zwei Hälften. Die linken beiden Spuren liegen in der oberen Ebene. Die rechten beiden Spuren verlaufen wellenförmig immer wieder nach unten, um touristische Ziele zu erreichen und dann wieder hoch, um auf die obere Fahrbahn zu wechseln, wenn man nicht mehr vorhat, den Weg zu verlassen. Die Idee ist allerdings nur als Idee genial. In einer Touristengegend weiss ja niemand genau, wo es es sich lohnt, runter zu fahren, sodass man höllisch aufpassen muss, weil permanent die Ebenen gewechselt werden. Dann geht es am Rhein entlang, hinter fast jeder Biegung wartet eine Burg am Berg. Und zwar meistens gut erhaltene Burgen, keine Ruinen. Man bleibt stehen, fotografiert, … Man muss sich also die Zeit merken und den Kilometerstand, wann man den Hauptbahnhof passiert hat. Und dann losradeln und Burgen gucken. So kann man dann abschätzen, wie weit man radelt, ob man umdreht oder es bis St. Goar oder Oberwesel versucht. Ohne dass die Tour in Hektik endet.
Deshalb würde ich die Tour jetzt so beschreiben wie in der Überschrift:
Mainz - Eltville - Rüdesheim - Bingen - Burgen am Mittelrhein

Da der Mittelrhein kein grosses Gefälle hat, geht er in die Breite. Das Geschiebe lagert er ab, sodass im Flussbett Inseln entstehen. Diese Inseln in einem breiten Bett, die Weinberge, dann wieder die Berge mit Duzenden von Burgen machen den Reiz des UNESCO Kulturerbes aus.

Und hier die Eindrücke in Bildern:
11:52 Wir haben die Kirche St. Stephan mit den Fenstern von Marc Chagall und den Kaiserdom St. Martin besichtigt und befinden uns jetzt auf der rechten Rheinseite in Hessen, Wiesbaden Mainz-Kastell.
Zur Beschreibung vom Kaiserdom St. Martin und der Kirche St. Stephan siehe meine Erläuterungen auf dieser Seite.
12:47 Wir haben Wiesbaden hinter uns gelassen, der Riesling-Radweg beginnt.

13:06 Eltville, das Schloss, der Garten, …

die Gassen …
13:52 Rast in der Nähe von Hattenheim
14:37 Weinladekran bei Hattenheim
15:21 Rüdesheim in Sicht

15:34 Drosselgasse (das muss sein, wenn man schon hier ist, und andere aus aller Welt hierher fliegen)

16:17 auf der Fähre nach Bingen
Zwischen Bingen und Assmanshausen, wo auch die Nahe in den Rhein mündet beginnt das Durchbruchstal Mittelrheintal, wo der Rhein auf der Länge bis Bonn sich durch das Rheinische Schiefergebirge frisst. 
16:30 Der Mäuseturm von Bingen
16:45 Niederwalddenkmal 
Seit der Auflösung des Deutschen Reiches (1806) hatte sich die Idee eines Staates mit deutschem Kaiser im Volk ausgebreitet. Der Deutsche Bund mit 34 souveränen Fürsten und 4 freien Städten führte zu einer starken Position dieser Fürsten. Reformideen führten zu Demonstrationen und Revolutionen (1848). 1866 vereinigten sich 17 Bundesstaaten zum Norddeutschen Bund. Vier Jahre später schlossen sich auch alle süddeutschen Staaten dem Bündnis an. 1870 erklärte Frankreich Deutschland den Krieg und wurde besiegt. So wurde am 18. Januar 1871 der preußische König im Spiegelsaal von Versailles zum Deutschen Kaiser gekrönt. Damit war die ersehnte Einigung Deutschlands volbracht.
Das 19. Jahrhundert war das Jahrhundert der Denkmäler. Man begann noch im selben Jahr mit der Planung eines National-Monuments. Die Grundsteinlegung fand am 16. September 1877 statt und sechs Jahre später feierte man die Einweihung des Bauwerks im Beisein des Kaisers und vieler anderer Persönlichkeiten.


17:01 Burg Rheinstein

17:12 Burg Reichenstein (im Hintergrund hinter der Kirche)
17:13 Burg Reichenstein
17:27 Burg Sooneck (hinten am Berg)


17:36 Und noch ein kühlendes Bad für die Füsse zum Abschwellen. Das tut gut, bevor es zurück zum Bahnhof geht.

Sonntag, 13. Mai 2018

Von der Reha zurück zuhause. Ich fahre zwar Rad, muss aber vernünftig und verantwortungsbewusst sein. Juni Touren müssen geändert werden.

Von der Reha zurück zuhause. Ich fahre zwar Rad, muss aber vernünftig und verantwortungsbewusst sein. Juni Touren müssen geändert werden.

Donnerstag, Christi Himmelfahrt, habe ich nach dem Frühstück die Ruland Klinik Falkenburg verlassen, mit der S1 um 10:05 bin vom Bahnhof Bad Herrenalb abgefahren.
Um 11 Uhr bin ich zuhause angekommen. Nach so langer Zeit muss ich mich erst mal an meine Wohnung gewöhnen. Die Küche dunkel, als wenn es abend wäre oder die Sonne noch nicht aufgegangen. Vor 3 Wochen, als ich in die Reha abreiste, war es noch kalt, die Glyzinie noch kahl und nackt. In diesen 3 Wochen ist die Natur explodiert, die wunderschönen lila Blütenstände alle verblüht, dafür waren der komplette Balkon, das Fenster der Balkontür, der Rolladenkasten komplett von den Tentakeln überwuchert, ebenso jede freie Fläche zwischen den Stützen. Nur noch ein schwaches grünliches Leuchten konnte sich den Weg in die Wohnung bahnen. Mit der Machete bahnte ich mir einen Weg zur Wäscheleine, befreite sie erst mal von den sie überwuchernden Tentakeln, damit ich die Wäsche, meine erste Amtshandlung, über den Hof zum trocknen ziehen konnte. 
Als Belohnung lachte mir aus der Dämmerung das Birdy in der Küche entgegen, die Testfahrt musste noch etwas warten, auch wenn ich es wissen wollte. Aber nach der Wäsche musste erst mal der Urwald weg.
Dann am Nachmittag endlich, Hunger regte sich, ich hatte gehört, es ist Brigandenfest auf dem Friedrichsplatz, da wird die erste Tour hingehen.
Das Birdy muss ein Stockwerk runter auf die Straße. Mal sehen, ob das überhaupt geht, der operierte oberste Muskel arbeitet noch nicht so ganz einwandfrei. Jetzt beim runter und rauftragen wird er voll gefordert. Ich habe den Eindruck diese Übung beschleunigt die Aktivierung. Das Rad steht auf der Straße. Wie stelle ich es am geschicktesten an, anzufahren, ohne dass der Muskel bei der Belastung eventuell auf Schonmodus geht. Ich weiss, ein echtes Fahrrad zu fahren, ist was anderes als auf einem Ergometer die Kilometer runter zu spulen. Dort schaltete ich den Widerstand beim Anfahren auf den Anfangswert von 25 Watt, und fuhr ihn nach den ersten Umdrehungen auf 60 Watt und mehr hoch. Ein echtes Fahrrad, auch wenn ich im 1. Gang starte, verlangt gleiche ein Treten, der mindestens 50 Watt entspricht. Aber zu was habe ich eifrig Muskelkoordination gelernt, um möglichst schmerzfrei Bewegungen umzusetzen. Am Anfang noch etwas unsicher, aber ich rollte mit dem Fahrrad. Jetzt das Anhalten testen, ohne das operierte Bein zu stark zu belasten. Ich hatte bald raus, wie man ganz sanft bremst, so dass das Bein nur noch am Schluss zum Abstützen gebraucht wird. Ich radle jetzt noch vorausschauender als früher, gehe permanent davon aus, dass mir die anderen Verkehrsteilnehmer in die Quere kommen, um ja eine ruckartige Bremsung zu vermeiden und alles unter Kontrolle zu haben.

Mir wurde bald klar, wieso Radfahren 6 Wochen nach der OP nicht unbedingt empfohlen wird. Im Normalfall merkt man gar nicht, was man alles macht, wenn man radelt. Man radelt einfach. Und wenn man Pech hat, haut es einen um. Und genau das darf jetzt auf keinen Fall mehr passieren. 
Das Radeln wird sehr schnell flüssiger, ich reagiere sehr schnell, ohne zu überreagieren, dass hat sich in mir eingebrannt. Und aus dieser Erfahrung der letzten 4 Tage finde ich es förderlicher, so bald wie möglich mit echtem Radeln zu beginnen, die nötige Koordination ist eine viel weitergehende, als die Übungen in der Reha. Sie sind die Grundlage, dass man das Gespür bekommt für etwas, was man normalerweise automatisch macht und nicht registriert, was da alles abläuft.
Aber dieses frühe Radeln ist nur dann sicher, wenn man sich an die Mahnung der Ärztin hält, immer bewusst mit eingeschaltetem Verstand zu radeln, und jedes leichtsinnige Manöver zu unterlassen.
Diese 4 Tage bin ich jetzt problemlos 120 km geradelt, bei Sonnenschein, bei Regen, in der Nacht. Immer vorsichtig und moderat. Fussgängerbrücken komme ich hoch.

Zuhause habe ich keine Geräte wie im MTT, wie sollte ich da meinen Muskelaufbau fördern, wenn ich nicht radfahren kann. Mit laufen wäre das sehr mühsam, ich bin nicht der geborene Wanderer. Nicht umsonst steht mein Birdy in der Küche, ich müsste ja sonst zum Klo laufen :-)
Und in der Tat merke ich, dass die Fortschritte meiner Reha jetzt nochmal einen Schub bekommen, seit ich echt radfahre.
Den Rest wird man mit Lymphdrainage und Krankengymnastik noch hinbekommen.
Laut Arzt wird alles ohne bleibende Schäden verheilen.
Was allerdings mit der im Oberschenkel verbauten Technik passiert, wird sich klären, wenn ich das Krankenhausgespräch habe. Ich nehme an, die bleibt drin, sonst müsste man ja nochmal was aufschneiden.
Auf jeden Fall waren die Unfallfolgen medizinisch anspruchsvoller, als ich es mir selber anfangs vormachte. Ein Riss klang für mich relativ harmlos, ist aber medizinisch doch auch ein Bruch, sonst würde man ja nicht operieren und Reha-Maßnahmen durchführen.

Was heißt das jetzt für meine Touren?
Medizinisch: Der Knochen braucht 6 Woche zur Heilung. Das ist jetzt. Radfahren sollte man erst nach weiteren 6 Wochen. Das ist Ende Juni.
Das betrifft somit die Touren 03.06.2018 Loreley und 17.06.2018 Canal-de-la-Bruche.
Und die Feierabendtour Anfang Juni.
Ich fahre jetzt jeden Tag Fahrrad, kann erst dann in den nächsten Wochen nach und nach beurteilen, wie es mit der Kondition und Koordination bis dahin aussieht.

Dass ich überhaupt Fahrrad fahren kann, liegt daran, wie ich im letzten Post beschrieben habe, dass ich für meine Fernfahrten per ICE das Birdy habe. Das Birdy ist kein Klapprad, sondern ein Faltrad. Der Rahmen ist sehr flach und liegt unter mir, die Räder werden unter dem Rahmen eingeklappt. Da kein Klappgelenk vorhanden ist, ist das Rad verwindungssteif und für große Touren geeignet. Die Räder werden im Fahrzustand durch Elastomer-Puffer gefedert. Es ist dadurch für den Radler sehr entlastend und durch die Übersetzung kommt man dennoch schnell vorwärts.
Nachdem mir die Ärztin beim abschließenden Arztgespräch gesagt hatte, dass ich erst nach einem viertel Jahr, also Ende Juni Fahrrad fahren sollte, erzählte ich ihr von meinem Birdy. Da kam mir zupass, dass sie schon lange auf der Suche nach einem solchen Rad für ihre Touren ist. Ich konnte sie beraten, sagen, auf was zu achten ist, dass sie verschiedene Probefahren soll .... . Sie war begeistert. Sie gab mir zwar keinen Persilschein, aber konnte mir das Radeln in meiner eigenen Verantwortung zugestehen, wenn ich meinen gesunden Menschenverstand walten lasse, und jedes Risiko vermeide. Und das mache ich sowieso, denn einen Sturz möchte ich nie wieder erleben. Schon dieser Unfall war einer zuviel :-)

Da die risikolose und rückstandsfreie Heilung für mich oberste Priorität hat, kann ich diese beiden Touren nicht in dieser ausgeschriebenen Form anbieten.

Ich habe folgende Planung anstelle der Tour 03.06.2018 Loreley im Kopf, die ich eventuell ohne Überlastung durchführen kann und die die Highlights von Mainz enthält und vom Mittelrhein den Teil bis Bingen zeigt. Hier muss ich in der nächsten Zeit hinfahren, um das auszuprobieren. Allerdings ist der Termin 03.06.2018 noch relativ früh.
Die Tour zum Kaiserdom in Mainz ist ausgefallen. Eventuell kann ich eine Tour entwerfen, wo man wie bei der Loreleytour mit dem Süwex bis nach Mainz fährt. Dort geht es dann zum Kaiserdom Mainz, St. Stephan mit den Fenstern von Marc Chagall und dann bis Bingen mit dem Mäuseturm.
Von Bingen dann wieder mit dem Zug zurück nach Karlsruhe.

Statt 17.06.2018 Canal-de-la-Bruche mit 110 km muss ich mir was anderes einfallen lassen. Denn 110 km zu diesem Zeitpunkt entsprechen nicht einem verantwortungsbewusstem Heilungs- bzw. Trainingsprozess.

Für die Feierabendtour werde ich eine Strecke finden, die kann ich wohl durchführen.


Mittwoch, 9. Mai 2018

Die Reha ist beendet, bis Ende Juni muss ich jedoch noch kürzer treten

Die Reha ist beendet, bis Ende Juni muss ich jedoch noch kürzer treten

An Christi Himmelfahrt ist die Reha beendet. Aber so einfach kann man medizinisch gesehen, die Unfallfolgen nicht abtun. Medizinisch gesehen ist es, auch wenn ich es harmloser nur als Riss ansehen will, ein Bruch am Oberschenkelknochen. Jetzt sind es seit der OP 6 Wochen, obwohl es mir viel länger schon vorkommt. Das heisst, jetzt ist der Knochen verheilt. Der Muskel, der aufgeschnitten werden musste, wenn auch minimal invasiv, ist zwar auch wieder verwachsen, aber der Heilungsprozess dauert noch länger. Das und das Ödem am Unterschenkel, dass auch noch seine Zeit braucht, sind meine Baustellen, die noch nicht ganz weg sind. Neben all den Anwendungen bin ich auf dem Ergometer jeden Tag bis zu 20 km geradelt. Das was ich normalerweise im normalen Leben mindestens am Tag radle. Auf dem Ergometer ist das nur in mehreren Etappen zu schaffen. Nicht aus Konditionsgründen, sondern wenn du radelst und radelst und der Schwarzwald kommt keinen Meter näher, wirst du einfach rammdösig und fällst irgendwann vor Langeweile vom Rad. Es steht also der echte Ausdauertest mit einem richtigen Rad noch aus. 
Aus medizinischer Sicht wird das Radfahren mit einem richtigen Fahrrad bis Ende Juni noch nicht befürwortet, auch wenn ich die Kondition dafür schon habe. Aber es kann eine Sturzgefahr bestehen und das ist auf alle Fälle zu vermeiden. Ausserdem sollte der Untergrund glatt sein ohne große Erschütterungen.
Ich habe sowieso vor mit dem Birdy zu fahren. Hier besteht so gut wie keine Sturzgefahr, da der Rahmen sehr flach liegt und man über dem Rahmen sitzt. Durch die Elastomer-Federelement an den Faltpunkten und die Ballonreifen kommen keine Erschütterungen durch. Ich erklärte der Ärztin das Prinzip des Birdy. Zupass kam mir, dass sie sich schon lange mit dem Gedanken trägt, ein Klapprad zu kaufen, aber sie noch keine Entscheidungshilfe gefunden hat. Ich erklärte ihr verschiedene auf dem Markt befindliche Typen. Testen muss sie sie aber selber, empfahl ich ihr. Ich habe danach zwar keine ärztliche Erlaubnis erhalten, aber, wenn ich meinen gesunden Menschenverstand einschalte und ohne Risiko radle, kann ich auf dem Birdy trainieren.
Und aufpassen tue ich jetzt um so mehr. Ich werde mir auch Hüftprotektoren zulegen, auch wenn ich absolut nicht mehr stürzen will.
Wenn ich nach Hause komme, werde ich gleich das Birdy ausprobieren. Dann werde ich weitersehen.
Erst dann kann ich abschätzen, was machbar ist. Die Feierabendtour ist vielleicht schon drin. Für die beiden Juni-Touren muss ich mir was interessanteres kürzeres ausdenken. Statt Loreley vielleicht Mainz mit Kaiserdom und Stephanskirche und Umgebung am Rhein. Aber das muss ich mir auch erst anschauen.

Es geht weiter ...

Donnerstag, 12. April 2018

Das Radeln ist unterbrochen, die Reha hat begonnen

(Hinweis, den aktuellen Stand findet man, wenn man rechts auf "Startseite" klickt)

Jeder Unfall ist einer zuviel, und auch dieser wäre vermeidbar gewesen. Ich bin normalerweise stolz auf meine schnelle Reaktionsfähigkeit. Sie macht das Leben sicherer. Doch diesmal reagierte ich unbewusst zu schnell, obwohl ich eigentlich, so wie ich radeln wollte, gar nicht in Gefahr gekommen wäre. Eine Schrecksekunde nach einem Ruf und ich legte eine Vollbremsung bei niedriger Geschwindigkeit und eingeschlagenem Rad hin. Das Rad stürzte so schnell, dass ich nicht mehr angemessen reagieren konnte und ich knallte auf die Hüfte. Gebrochen ist nicht wirklich was, aber die Aufnahme des Kugelgelenks im Oberschenkelknochen eingerissen. Mit einer Schere ist das Bein im Städtischen Klinikum wieder belastbar hergestellt. Aber bevor ich wieder Rad fahren kann, muss ich erst mal ab dem Donnerstag 19.04.2018 in die Falkenburg in Bad Herrenalb in die Reha.
Ich hadere mit meiner verhängnisvollen Entscheidung, die alle meine Pläne durchkreuzt. Gerade jetzt, wo die Radelsaison mit voller Kraft beginnt und ich vorerst alle Radtouren ausfallen lassen muss.
Ich frage mich, zu was das alles gut sein soll. Wo der Sinn ist. Welche neuen Erkenntnisse und Entwicklungen mir daraus erwachsen.
Es ist auch die Erfahrung, angewiesen zu sein und nicht geben zu können.
Es wird wieder gut werden.

Ich laufe jetzt viel, obwohl das im Verhältnis zu dem, was ich normalerweise mache, nur relativ viel ist. Normalerweise radle ich bis zu 30 km am Tag, gehe 2 - 3 mal die Woche schwimmen und mache täglich im Calisthenics Park um die Ecke oder an der Klimmzugstange im Wald bis zu 60 Klimmzüge. Das alles fehlt jetzt, vor allem die Balance und der Genuss beim Radfahren, das gemeinsame Vergnügen, wenn man gemeinsam unterwegs ist. Und ich wollte eigentlich Ostsee, Rügen, ... vorbereiten. 

Vielen Dank für alle, die mir gutes wünschen, die mich besucht haben, die mir Mut machen.

Drückt bitte die Daumen, dass es schnell wieder gut wird und ich für euch und mit euch wieder Radtouren radeln kann :-)

Und jetzt laufe ich wieder in die Stadt, ... laufe um meine, für meine Gesundheit. Optimal wird es, wenn die Reha beginnt.

Inzwischen bin ich auf der Falkenburg in Bad Herrenalb in der Reha (29.04.2018).
Die Fortschritte sind beachtlich, die Reha hier in der Falkenburg ist für mich super abgestimmt. Sie wird permanent an meine Fortschritte angepasst.
Begeistert bin ich vom Physiotherapeuten. Da passt auch menschlich alles. Er denkt sich immer wieder was neues effektives aus, reagiert auf meine Fortschritte und was noch nicht so ganz passt. Gerade weil alles ein Prozess ist und ich der Typ bin, der alles versucht, was beeinflussbar ist oder scheint.
Ich will rückstandsfrei gesund werden, ich will die Zeit der Reha zu mehr als 100% nutzen. Will mich mindestens auf das Level vor dem Unfall aufbauen, auch wenn das wahrscheinlich nicht ganz möglich ist, da mein Körper ja auch Zeit zu reparieren und regenerieren braucht. Der Therapeut sagte mir auch, dass er mich beobachtet, er sieht, dass ich im selbständigen Training von der Häufigkeit wohl am Limit arbeite. Aber solange er auch sieht, dass es mir gut tut, sagt er nichts. Wenn ich aus der Reha zurückkomme, werde ich über 100% gefordert, ich muss absolut stark sein. Und das treibt mich.
Und da der Physiotherapeut spürt, was für mich dahintersteckt, ist seine Motivation, die er mir gibt, so wertvoll.
Die Lymphdrainage hat neben seinen Erfolgen an meinem operierten Bein, noch eine Verbindung zu meinem Leben. Er hat früher einen Rennradler betreut, der jetzt bei der Critical Mass mitradelt und auch bei meinen Feierabendtouren ab und zu dabei ist. Das sind dann während der Massagen gemeinsame Gespräche möglich, ich fühle mich fast zuhause. Auch das ist wichtig, die Heilung zu beschleunigen.
Das Programm ist dicht von morgens 7:30 bis 16:30. Dazwischen ist dann immer mal wieder noch Zeit für das selbständige Training am Bewegungstrainer oder im Schwimmbad. Ich fühle mich in der Falkenburg sehr gut betreut.

Ich bin zuversichlich, wenn ich zuhause bin, werde ich den Unterschied zwischen dem Ergometer und einem richtigen Fahrrad geniessen, aber auch wieder trainieren müssen.

Das mal als Zwischenbericht.
Die Rehaklinik Falkenburg in Bad Herrenalb. In der obersten Reihe rechts beim Baum habe ich mein Zimmer.
15 - 20 km radle ich Tag für Tag, doch der Schwarzwald kommt keinen Meter näher :-)
Um dem Schwarzwald näher zu kommen, muss ich schon noch laufen und an der Therapie "Gehen schwer (im Freien)" mitmachen.
Runter zum Bahnhof bin ich schon oft gelaufen. Vielleicht kann ich am 10. Mai in die Bahn steigen und nach Hause fahren

Samstag, 24. Februar 2018

Arktische Temperaturen, Critical Mass, Eröffnung der Freibadsaison 2018

Arktische Temperaturen gefühlt vor allem wegen des eisigen Nordostwindes, aber trotzdem, es gibt kein unpassendes Wetter, wenn man was unternehmen will, allenfalls unpassende Kleidung.
So fanden sich am letzten Freitag im Februar 51 Leute ein, die die Critical Mass mit radelten. Die Stimmung war sehr gut, wenn man Schicht für Schicht wie eine Zwiebel angezogen ist.


Hier der Bericht im Blog der Critical Mass.

Sonnig, aber genauso lausekalt war der Samstag. Die Freibadsaison ist eröffnet. Das Sonnenbad in Karlsruhe ist das einzige Freibad in Deutschland, das von Februar bis zum 1. Advent geöffnet hat.
Der Wind war so eisig, dass das drittel Becken unter einer Eisschicht lag.
Aber keine Angst, so unwirtlich war es dann doch nicht.
Das 50 Meter Becken war beheizt. 28 Grad, wie die neue elektronische Anzeigentafel anzeigte. Aussentemperatur war um den Gefrierpunkt, gefühlt noch viel kälter, vor allem wenn man nass aus dem Becken stieg und schnell in die Halle rannte.
Die neue Anzeige gaukelte uns vor, dass wir 8 Grad Wärme haben, das Thermometer muss in der Sonne liegen, vielleicht liegt es auf dem Dach bei den Solarmodulen. Wenn es da bleibt, bin ich mal gespannt, was für Temperaturen wir im Sommer bekommen. 
Während ich meine Runden schwamm, freute ich mich schon auf die leckere Kartoffelsuppe. Wie für mich gekocht von der Familie Maul sind diese Genüsse schon einen Besuch wert :-)
Diese verlockende Kartoffelsuppe gab es auch am nächsten Wochenende. Nach einer Woche durchgehender Minustemperaturen. Das Nichtschwimmerbecken mit der Rutsche war jetzt komplett mit einer Eisdecke im tiefen Winterschlaf. Dafür war der Massagebrunnen hin und wieder an. Schnell durch die Kälte hinrennen, sich durchmassieren lassen und dann wieder zurück ins 50-Meter-Becken. Ein herrliches Gefühl, alles prickelt, als wenn man in Sekt steigen würde.
Links das 50-Meter-Becken und rechts hinten sieht man die Eisschicht auf dem Nichtschwimmeerbecken

Der Teich unten am Eingang war von einer dicken Eisschicht überzogen. 15 Schildkröten und Goldfische sind drin. Die meisten Schildkröten und die Fische haben sich im Schlamm vergraben. Reglos sah ich ein Schildkröte auf dem Grund. Und eine grosse Schildkröte, der war es wohl zu langweilig, langsam schwamm sie unter dem Eis. Für diese wurde ein Luftloch gehackt. Ich bin mal gespannt, ob diese Teichbewohner durchkommen.


Allmählich gewöhnt man sich an diese tiefen Temperaturen, es ist halt noch nicht Frühling. So stand am Sonntag noch eine fast 80 km lange Tour zur Bienwaldmühle zur Geburtstagsfeier mit der Familie und von dort nach Wörth zu Kaffee und Kuchen und am Abend nach Karlsruhe an. Es war lausekalt aber sonnig, der Halbmond war auch schon am Himmel.





Freitag, 16. Februar 2018

EmoCycling - Stress- und Sicherheitsempfinden von Radfahrenden

EmoCycling - Stress- und Sicherheitsempfinden von Radfahrenden

Wenn es ums Radfahren geht, bin ich immer dabei. Überhaupt, wenn es dabei auch auf wissenschaftlicher Basis darum geht, wie sicheres Bewegen im Verkehr im Fokus steht.
Und da ich im KIT, damals noch Technische Universität Karlsruhe, Informatik studiert habe, macht es mir richtig Spass, auch mal wieder mitwirken zu können. Es ist eine wohltuende Atmosphäre.
Also machte ich mit bei der Bachelorarbeit von Ida Rockenbach am 14.02.2018 und stellte mich für eine Messfahrt auf einer Rundfahrt in Karlsruhe zur Verfügung. Das Wetter war optimal sonnig. Radfahren macht immer Spass, aber so machte noch mehr Freude.
Ich selber erhielt ein Messarmband ähnlich einem Fitnessarmband, einen GPS-Tracker, ein Smartphone und eine GoPro-Kamera. Am Fahrrad wurde ein roter Alarmbutton angebracht, auf den ich drücken musste, wenn eine Situation auftritt, die mich unter Stress setzt.
Wahrscheinlich weil Radfahren für mich Routine ist, ich fahre alle meine Wege mit dem Rad und dementsprechend viel, gab es für mich keine Situation, wo ich den Button drücken musste. Wohl gab es Situationen, wo Autos, Fußgänger, Radfahrer in die Quere hätten kommen können. Aber es waren alles Situationen, bei denen ich schon aus einiger Entfernung abschätzen konnte, wie die anderen Verkehrsteilnehmer reagieren oder auch nicht reagieren würden und passierte dementsprechend defensiv stresslos diese potentiellen Gefahrenstellen.
Insgesamt empfand ich diesen 6 km langen Rundkurs durch die verschiedensten Verkehrsprofile stresslos und konnte relativ zügig fahren.
Interessant sind für mich jetzt folgenden beiden Ergebnisse:
Einmal, ob die Messwerte meines Armbands dieses stressfreie Empfinden bestätigen, oder ob im Unbewussten doch Stress empfunden wurde.
Und zum anderen, wie andere Probanden diesen gleichen Rundkurs empfunden haben. Ich kann mir vorstellen, dass jemand, der nicht soviel in der Stadt mit dem Rad unterwegs ist und sich vielleicht auch noch orientieren muss, manche Situation komplizierter wahrgenommen hat als ich.
Die Studie wird durchgeführt vom Institut Entwerfen von Stadt und Landschaft (IESL), Fachgebiet Stadtquartiersplanung des KIT, Dr. Ing. Peter Zeile (Senior Researcher)

Hier Bilder aus dem Video der Tour:
Besprechung, Einweisung, Verkabelung im Institut Entwerfen für Stadt und Landschaft (IESL)
Los gehts

Der Alarmbutton ist angebracht. 
Start vom Institut Entwerfen von Stadt und Landschaft. Startzeit. Mein Messarmband wird gestartet.

Dass das Auto rechts über meine Spur abbiegt, war vorhersehbar, also entspannt in den Zirkel ohne Bremsen, aber in Bremsbereitschaft weiter, solange es grün ist.
Die Frau vor mir will ich überholen. Ich sehe, dass vorne ein Sprinter einbiegt und entgegenkommen wird.
Mit dem Überholen würde es eng werden, also mache ich mir keinen Stress und rolle entspannt, bis der Lieferwagen vorbei ist.
Jetzt kann ich auch entspannt überholen
An der Kunsthalle vorbei. In der Höhe der Orangerie nochmal zurückgeschaut, der Verkehr erlaubt es, mich nach links einzuordnen, um auf den Radweg der Moltkestraße zu radeln. Das ging stressfrei.
Radweg an der Moltkestraße: Da vorne vor dem Anne-Frank-Haus fährt plötzlich das rote Auto rückwärts auf den Rad- und Fussweg und versucht irgendwie zu wenden. Normalerweise dürfte hier gar kein Auto fahren, auch das Auto, das rechts steht, gehört da nicht hin. Dass das rote Auto die Straße zu erreichen sucht, ist schon von weitem zu sehen. Also rolle ich ohne zu beschleunigen auf das rote Auto zu, das dann auf dem Radweg bis zur Sackgasse zur Jugendherberge fährt und dort auf die Moltkestraße abbiegt. Der Radweg ist wieder frei.
Waldstraße: Hier geht es immer eng zu, die Straße teilt man mit anderen Radlern, Autos und Fussgängern. Das weiss ich und so nehme ich den unübersichtlich erscheinenden Verkehr locker defensiv entspannt. 
An der Kreuzung Amalienstraße / Karlstraße nervt eher die lange Rotphase der Ampel. Deshalb radle ich, wenn ich nicht auf Messfahrt bin über Stefansplatz, Ludwigsplatz. Da kann ich zwar auch nicht rasen bei vielen Fussgängern, aber man empfindet die Zeit bei den vielen Reizen nicht so lang. Insgesamt aber für mich weder nervig noch stressig.
Bürgerstraße
Erbprinzenstraße. Das schöne Mittagsgeläut der Stephanskirche macht gute Laune. Der Friedrichsplatz danach mit dem Naturkundemuseum zusammen damit Glückshormone.
Damit nervt mich auch nicht, was mich am ECE-Center erwartet, Menschen die zum Einkaufen eilen, Autos, die keinen Parkplatz oberirdisch finden, ...
Die Autos vorne in der Lammstraße müssen eigentlich am Stoppschild warten. So, wie es aussieht, kann ich nicht unbedingt damit rechnen, also rolle ich entspannt und bremsbereit an die Kreuzung. 
In den Kreisverkehr Rondellplatz, es geht mir gut :-)
Durch die Baustelle Kreuzstraße / Markgrafenstraße
Auf der Fritz-Erler-Straße am Brückenrestaurant vorbei ist das KIT nicht mehr weit. Ich habe grüne Welle, das entspannt und ich kann wieder Gas geben.
Waldhornstraße

Wieder zurück im Institut Entwerfen von Stadt und Landschaft. 25 Minuten, das Equipment habe ich abgebaut und zurückgegeben. Fertig :-)