Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Sonntag, 18. Dezember 2016

Ausklang, besinnliche Tage, Eindrücke, Ausblicke

Nach den Ameisen von Altona jetzt zum Jahresausklang nochmal ein Ringelnatz, von dem ich nur die erste Strophe kannte, jetzt in voller Länge. Auf das es ein gutes Jahr wird bei bester Gesundheit und dass es nicht im Krankenhaus oder sonstwo endet, wo man nicht hin will. Den Eindruck weckten mir einige der Strophen, die ich noch nicht kannte.

Silvester
Daß bald das neue Jahr beginnt,
Spür ich nicht im geringsten.
Ich merke nur: Die Zeit verrinnt
Genau so wie zu Pfingsten,
Genau wie jährlich tausendmal.
Doch Volk will Griff und Daten.
Ich höre Rührung, Suff, Skandal,
Ich speise Hasenbraten.
Mit Cumberland, und vis-à-vis
Sitzt von den Krankenschwestern
Die sinnlichste. Ich kenne sie
Gut, wenn auch erst seit gestern.
Champagner drängt, lügt und spricht wahr.
Prosit, barmherzige Schwester!
Auf! In mein Bett! Und prost Neujahr!
Rasch! Prosit! Prost Silvester!
Die Zeit verrinnt. Die Spinne spinnt
In heimlichen Geweben.
Wenn heute nacht ein Jahr beginnt,
Beginnt ein neues Leben.

Joachim Ringelnatz

Weihnachtsbaum Andy Warhol

Gestern (18.12.2016) waren wir nochmal zusammen in Gengenbach. Es war sehr schön mit euch. Es war ein schöner anregender Übergang in eine neue Saison. Rechts in der Seitenleiste stehen die Pläne für das nächste Jahr.

Momentan läuft Zwischentöne im Deutschlandfunk, die Musikbeiträge zur besinnlichen Stimmung des vierten Advents passend und diese Stimmung ist schön. So wie gestern in Gengenbach. Sehr schnell habe ich mich zuhause gefühlt, wie immer an Orten wo ich mich wohl fühle. Im Museum habe ich mich am Schluss noch eine Weile mit dem Ausstellungsleiter unterhalten, der einem tiefe Einblicke gegeben hat. Wie lange kennen wir uns jetzt schon, fragte er mich, mit Ihrer Gruppe erinnere ich mich sehr gut, ... fragte er mich, und das ist dann auch ein Teil von Zuhause sein und im Hintergrund Bläsermusik von der Bühne bevor sie umgebaut wird für die Türöffnungszeremonie um 18 Uhr.

Und danke an euch alle, die ihr mit mir mitradelt überall hin. Es macht Spass mit euch. Und ich denke, das merkt ihr auch :-)

Aber jetzt nochmal zu Gengenbach: 3 Jahre lang wird Andy Warhol Thema sein. Und für die nächste Adventszeit ist wieder besonderes geplant. In einem der Räume hing eine Grafik Untitled, eine Leihgabe aus dem Museum Frieder Burda. Es ist das Portrait von Stuart Preston. Was ist das besondere an diesem Bild? Stuart Preston war von 1949 - 1965 einflussreicher Kunstkritiker der New-York-Times. Grund genug von Andy Warhol für die Grafik. Denn es kann nie ein Nachteil sein, dem Kunstkritiker zu schmeicheln. Aber was hat das jetzt mit uns zu tun oder mit der Ausstellung in Gengenbach?
Zum Ende des 2. Weltkriegs wurde von Eisenhower die Truppe der Monuments Man eingesetzt, um in Deutschland die während des Krieges zur Sicherung in vielen Bergwerken ausgelagerten Kunstschätze ausfindig zu machen und zu bergen. Der Kunstexperte Stuart Preston war der Kommandeur und ihm hat Deutschland zu verdanken, dass wir die Kunstwerke des Preussischen Kulturbesitzes nicht in Museen in Moskau anschauen müssen, sondern in Berlin, Potsdam, ... bei uns. Über den preussischen Kulturbesitz auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone konnte die Sowjetunion verfügen. Stuart Preston erreichte mit intensiven Verhandlungen, dass dieser Kulturbesitz als zentraler Bestandteil der deutschen Kultur in Deutschland verblieb.
Und jetzt zu Gengenbach. Alle Ausstellungen rund um den Adventskalender haben immer irgend einen Bezug zu Gengenbach. Die Verbindung zu Andy Warhol ist die Familie Burda und das Medienhaus. Die Burdas haben in Gengenbach gelebt. Über die Medien wie Burda Moden wurde Andy Warhol die Plattform gegeben, auch in Europa bekannt und berühmt zu werden. The Three Gentleman (Museum Frieder Burda) zeigen die Burdas. So kam Andy Warhol Kunst jetzt nach Genngenbach, nachdem die letzten 3 Jahre intensiv mit der Andy Warhol Fondation New York zusammen gearbeitet wurde. Und jetzt über die Geschichte um den preussischen Kulturbesitz wird aus eben diesem geschöpft für die Adventsausstellung im Jahr 2017.

Ausserdem wird es über die Passionszeit, Ostern in Zusammenarbeit mit dem Zeit-Magazin die Ausstellung geben "Das Leben nach der Hölle - die Mädchen von Boko Haram".

Wohl ein starker Kontrast zur jetzigen friedvollen, fröhlichen und besinnlichen Zeit.
Hochsitz auf dem Rehberger Kunstpfad 24 Stops von Riehen nach Weil am Rhein



Und jetzt noch etwas zum Thema Besinnlichkeit

ich bin letzten Sonntag mittag (11.12.2016) mal schnell nach Baden-Baden geradelt in die aktuelle Ausstellung im LA 8 "Technische Paradiese Die Zukunft in der Karikatur des 19. Jahrhunderts".

Ein Zitat von Albert Robida von 1919 ist jetzt 100 Jahre später noch aktueller

"Sie werden ihren Alltag im Räderwerk einer total mechanisierten Gesellschaft verbringen, in einem Maße, dass ich mich frage, wie sie noch die einfachsten Freuden geniessen wollen, die uns zur Verfügung stehen: Stille und Einsamkeit."

mechanisiert kann man heute vielleicht durch digitalisiert ersetzen

Aber ganz so pessimistisch will ich das doch nicht stehen lassen,

Friedrich List sah 1837 die Perspektiven eines neuen Zeitalters:

"Die Eisenbahn ist Herkules in der Wiege, der die Völker erlösen wird von der Plage des Krieges, der Teuerung und Hungersnot, des Nationalhasses und Arbeitslosigkeit, der Unwissenheit und des Schlendrians"

In diesem Sinne also nochmal besinnliche Tage und nach den Feiertagen ist das vielleicht ein Ziel für ein Radtour.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen