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Donnerstag, 12. April 2018

Das Radeln ist unterbrochen, die Reha steht bevor

Jeder Unfall ist einer zuviel, und auch dieser wäre vermeidbar gewesen. Ich bin normalerweise stolz auf meine schnelle Reaktionsfähigkeit. Sie macht das Leben sicherer. Doch diesmal reagierte ich unbewusst zu schnell, obwohl ich eigentlich, so wie ich radeln wollte, gar nicht in Gefahr gekommen wäre. Eine Schrecksekunde nach einem Ruf und ich legte eine Vollbremsung bei niedriger Geschwindigkeit und eingeschlagenem Rad hin. Das Rad stürzte so schnell, dass ich nicht mehr angemessen reagieren konnte und ich knallte auf die Hüfte. Gebrochen ist nicht wirklich was, aber die Aufnahme des Kugelgelenks im Oberschenkelknochen eingerissen. Mit einer Schere ist das Bein im Städtischen Klinikum wieder belastbar hergestellt. Aber bevor ich wieder Rad fahren kann, muss ich erst mal ab dem Donnerstag 19.04.2018 in die Falkenburg in Bad Herrenalb in die Reha.
Ich hadere mit meiner verhängnisvollen Entscheidung, die alle meine Pläne durchkreuzt. Gerade jetzt, wo die Radelsaison mit voller Kraft beginnt und ich vorerst alle Radtouren ausfallen lassen muss.
Ich frage mich, zu was das alles gut sein soll. Wo der Sinn ist. Welche neuen Erkenntnisse und Entwicklungen mir daraus erwachsen.
Es ist auch die Erfahrung, angewiesen zu sein und nicht geben zu können.
Es wird wieder gut werden.

Ich laufe jetzt viel, obwohl das im Verhältnis zu dem, was ich normalerweise mache, nur relativ viel ist. Normalerweise radle ich bis zu 30 km am Tag, gehe 2 - 3 mal die Woche schwimmen und mache täglich im Calisthenics Park um die Ecke oder an der Klimmzugstange im Wald bis zu 60 Klimmzüge. Das alles fehlt jetzt, vor allem die Balance und der Genuss beim Radfahren, das gemeinsame Vergnügen, wenn man gemeinsam unterwegs ist. Und ich wollte eigentlich Ostsee, Rügen, ... vorbereiten. 

Vielen Dank für alle, die mir gutes wünschen, die mich besucht haben, die mir Mut machen.

Drückt bitte die Daumen, dass es schnell wieder gut wird und ich für euch und mit euch wieder Radtouren radeln kann :-)

Und jetzt laufe ich wieder in die Stadt, ... laufe um meine, für meine Gesundheit

Samstag, 24. Februar 2018

Arktische Temperaturen, Critical Mass, Eröffnung der Freibadsaison 2018

Arktische Temperaturen gefühlt vor allem wegen des eisigen Nordostwindes, aber trotzdem, es gibt kein unpassendes Wetter, wenn man was unternehmen will, allenfalls unpassende Kleidung.
So fanden sich am letzten Freitag im Februar 51 Leute ein, die die Critical Mass mit radelten. Die Stimmung war sehr gut, wenn man Schicht für Schicht wie eine Zwiebel angezogen ist.


Hier der Bericht im Blog der Critical Mass.

Sonnig, aber genauso lausekalt war der Samstag. Die Freibadsaison ist eröffnet. Das Sonnenbad in Karlsruhe ist das einzige Freibad in Deutschland, das von Februar bis zum 1. Advent geöffnet hat.
Der Wind war so eisig, dass das drittel Becken unter einer Eisschicht lag.
Aber keine Angst, so unwirtlich war es dann doch nicht.
Das 50 Meter Becken war beheizt. 28 Grad, wie die neue elektronische Anzeigentafel anzeigte. Aussentemperatur war um den Gefrierpunkt, gefühlt noch viel kälter, vor allem wenn man nass aus dem Becken stieg und schnell in die Halle rannte.
Die neue Anzeige gaukelte uns vor, dass wir 8 Grad Wärme haben, das Thermometer muss in der Sonne liegen, vielleicht liegt es auf dem Dach bei den Solarmodulen. Wenn es da bleibt, bin ich mal gespannt, was für Temperaturen wir im Sommer bekommen. 
Während ich meine Runden schwamm, freute ich mich schon auf die leckere Kartoffelsuppe. Wie für mich gekocht von der Familie Maul sind diese Genüsse schon einen Besuch wert :-)
Diese verlockende Kartoffelsuppe gab es auch am nächsten Wochenende. Nach einer Woche durchgehender Minustemperaturen. Das Nichtschwimmerbecken mit der Rutsche war jetzt komplett mit einer Eisdecke im tiefen Winterschlaf. Dafür war der Massagebrunnen hin und wieder an. Schnell durch die Kälte hinrennen, sich durchmassieren lassen und dann wieder zurück ins 50-Meter-Becken. Ein herrliches Gefühl, alles prickelt, als wenn man in Sekt steigen würde.
Links das 50-Meter-Becken und rechts hinten sieht man die Eisschicht auf dem Nichtschwimmeerbecken

Der Teich unten am Eingang war von einer dicken Eisschicht überzogen. 15 Schildkröten und Goldfische sind drin. Die meisten Schildkröten und die Fische haben sich im Schlamm vergraben. Reglos sah ich ein Schildkröte auf dem Grund. Und eine grosse Schildkröte, der war es wohl zu langweilig, langsam schwamm sie unter dem Eis. Für diese wurde ein Luftloch gehackt. Ich bin mal gespannt, ob diese Teichbewohner durchkommen.


Allmählich gewöhnt man sich an diese tiefen Temperaturen, es ist halt noch nicht Frühling. So stand am Sonntag noch eine fast 80 km lange Tour zur Bienwaldmühle zur Geburtstagsfeier mit der Familie und von dort nach Wörth zu Kaffee und Kuchen und am Abend nach Karlsruhe an. Es war lausekalt aber sonnig, der Halbmond war auch schon am Himmel.





Freitag, 16. Februar 2018

EmoCycling - Stress- und Sicherheitsempfinden von Radfahrenden

EmoCycling - Stress- und Sicherheitsempfinden von Radfahrenden

Wenn es ums Radfahren geht, bin ich immer dabei. Überhaupt, wenn es dabei auch auf wissenschaftlicher Basis darum geht, wie sicheres Bewegen im Verkehr im Fokus steht.
Und da ich im KIT, damals noch Technische Universität Karlsruhe, Informatik studiert habe, macht es mir richtig Spass, auch mal wieder mitwirken zu können. Es ist eine wohltuende Atmosphäre.
Also machte ich mit bei der Bachelorarbeit von Ida Rockenbach am 14.02.2018 und stellte mich für eine Messfahrt auf einer Rundfahrt in Karlsruhe zur Verfügung. Das Wetter war optimal sonnig. Radfahren macht immer Spass, aber so machte noch mehr Freude.
Ich selber erhielt ein Messarmband ähnlich einem Fitnessarmband, einen GPS-Tracker, ein Smartphone und eine GoPro-Kamera. Am Fahrrad wurde ein roter Alarmbutton angebracht, auf den ich drücken musste, wenn eine Situation auftritt, die mich unter Stress setzt.
Wahrscheinlich weil Radfahren für mich Routine ist, ich fahre alle meine Wege mit dem Rad und dementsprechend viel, gab es für mich keine Situation, wo ich den Button drücken musste. Wohl gab es Situationen, wo Autos, Fußgänger, Radfahrer in die Quere hätten kommen können. Aber es waren alles Situationen, bei denen ich schon aus einiger Entfernung abschätzen konnte, wie die anderen Verkehrsteilnehmer reagieren oder auch nicht reagieren würden und passierte dementsprechend defensiv stresslos diese potentiellen Gefahrenstellen.
Insgesamt empfand ich diesen 6 km langen Rundkurs durch die verschiedensten Verkehrsprofile stresslos und konnte relativ zügig fahren.
Interessant sind für mich jetzt folgenden beiden Ergebnisse:
Einmal, ob die Messwerte meines Armbands dieses stressfreie Empfinden bestätigen, oder ob im Unbewussten doch Stress empfunden wurde.
Und zum anderen, wie andere Probanden diesen gleichen Rundkurs empfunden haben. Ich kann mir vorstellen, dass jemand, der nicht soviel in der Stadt mit dem Rad unterwegs ist und sich vielleicht auch noch orientieren muss, manche Situation komplizierter wahrgenommen hat als ich.
Die Studie wird durchgeführt vom Institut Entwerfen von Stadt und Landschaft (IESL), Fachgebiet Stadtquartiersplanung des KIT, Dr. Ing. Peter Zeile (Senior Researcher)

Hier Bilder aus dem Video der Tour:
Besprechung, Einweisung, Verkabelung im Institut Entwerfen für Stadt und Landschaft (IESL)
Los gehts

Der Alarmbutton ist angebracht. 
Start vom Institut Entwerfen von Stadt und Landschaft. Startzeit. Mein Messarmband wird gestartet.

Dass das Auto rechts über meine Spur abbiegt, war vorhersehbar, also entspannt in den Zirkel ohne Bremsen, aber in Bremsbereitschaft weiter, solange es grün ist.
Die Frau vor mir will ich überholen. Ich sehe, dass vorne ein Sprinter einbiegt und entgegenkommen wird.
Mit dem Überholen würde es eng werden, also mache ich mir keinen Stress und rolle entspannt, bis der Lieferwagen vorbei ist.
Jetzt kann ich auch entspannt überholen
An der Kunsthalle vorbei. In der Höhe der Orangerie nochmal zurückgeschaut, der Verkehr erlaubt es, mich nach links einzuordnen, um auf den Radweg der Moltkestraße zu radeln. Das ging stressfrei.
Radweg an der Moltkestraße: Da vorne vor dem Anne-Frank-Haus fährt plötzlich das rote Auto rückwärts auf den Rad- und Fussweg und versucht irgendwie zu wenden. Normalerweise dürfte hier gar kein Auto fahren, auch das Auto, das rechts steht, gehört da nicht hin. Dass das rote Auto die Straße zu erreichen sucht, ist schon von weitem zu sehen. Also rolle ich ohne zu beschleunigen auf das rote Auto zu, das dann auf dem Radweg bis zur Sackgasse zur Jugendherberge fährt und dort auf die Moltkestraße abbiegt. Der Radweg ist wieder frei.
Waldstraße: Hier geht es immer eng zu, die Straße teilt man mit anderen Radlern, Autos und Fussgängern. Das weiss ich und so nehme ich den unübersichtlich erscheinenden Verkehr locker defensiv entspannt. 
An der Kreuzung Amalienstraße / Karlstraße nervt eher die lange Rotphase der Ampel. Deshalb radle ich, wenn ich nicht auf Messfahrt bin über Stefansplatz, Ludwigsplatz. Da kann ich zwar auch nicht rasen bei vielen Fussgängern, aber man empfindet die Zeit bei den vielen Reizen nicht so lang. Insgesamt aber für mich weder nervig noch stressig.
Bürgerstraße
Erbprinzenstraße. Das schöne Mittagsgeläut der Stephanskirche macht gute Laune. Der Friedrichsplatz danach mit dem Naturkundemuseum zusammen damit Glückshormone.
Damit nervt mich auch nicht, was mich am ECE-Center erwartet, Menschen die zum Einkaufen eilen, Autos, die keinen Parkplatz oberirdisch finden, ...
Die Autos vorne in der Lammstraße müssen eigentlich am Stoppschild warten. So, wie es aussieht, kann ich nicht unbedingt damit rechnen, also rolle ich entspannt und bremsbereit an die Kreuzung. 
In den Kreisverkehr Rondellplatz, es geht mir gut :-)
Durch die Baustelle Kreuzstraße / Markgrafenstraße
Auf der Fritz-Erler-Straße am Brückenrestaurant vorbei ist das KIT nicht mehr weit. Ich habe grüne Welle, das entspannt und ich kann wieder Gas geben.
Waldhornstraße

Wieder zurück im Institut Entwerfen von Stadt und Landschaft. 25 Minuten, das Equipment habe ich abgebaut und zurückgegeben. Fertig :-)

Montag, 15. Januar 2018

Wintertour 28.01.2018 nach Baden-Baden? Frieder Burda Museum mit AMERICA! AMERICA!

Sonntag 28.01.2018
Der Trainingseffekt war optimal, es war zwar nicht der perfekte Frühlingstag, wie sollte es auch, wenn im ADFC-Fahradkalender als Wintertour ausgeschrieben, aber es war nicht kalt und es blieb auch trocken. Und die fehlende Sonne wurde durch Gegenwind auf dem größten Teil der Strecke ersetzt. Die Gesundheitswirkung ist auf jeden Fall um ein vielfaches gesünder, als sich bei Rückenwind einen Sonnenbrand zu holen.
Die Gruppe, die darauf vertraute, dass es bei meinen Touren nicht regnet, war zwar klein aber fein. Und trotzdem groß genug, um sich in Baden-Baden auf 3 Museen zu verteilen. Im Kunsthallen-Café haben wir uns am Schluss alle wiedergefunden.
 ROBERT LONGO  1953 Brooklyn, New York - lebt und arbeitet in New York
The Haunting (Triptych)
2005 Kohle auf aufgezogenem Papier
Sammlung Siegfried und Jutta Weishaupt

Dieses Tryptichon, erst zuhause, als ich es in meinen Blog gestellt habe, beleuchtet ungeplant die Frage, was ist Fiktion, was ist Wirklichkeit. Dieses Bild sah, als ich es im Frieder Burda Museum betrachtete, ganz anders aus, als hier auf dem Foto. Ich war total überrascht. Die künstlerische Aufarbeitung dieses einschneidenden Ereignisses berührt mich jedesmal. Ich teile oft Ereignisse in meinem Leben in die Zeit vor Nine Eleven und danach ein. Denn das Leben davor war ein anderes als es teils schleichend, teils in grossen Schritten danach wurde.

Wenn man vor dem Triptychon sitzt, blickt man auf die beiden Flugzeuge links und rechts auf dem verheerenden Weg zu den Zwillingstürmen. In der Mitte, die ganze mittlere Tafel des Triptychons ausfüllend, eine kohlenschwarze Fläche. Der Zwillingsturm? Das unvorstellbare Ereignis? Die Zeit danach? Gedanken, Erinnerungen an den Spuk gehen mir durch den Kopf.
Auf dem Foto ist von dem Hintergrund nur rechts unten der Ausschnitt der Gebäude der Nachbarschaft der Türme sichtbar geblieben. Alles andere der schwarzen Flächen hat sich auf meinem Foto verändert. Da, wo die schwarzem Flächen waren, spiegelt sich die Gegenwart. Das Leben des Heute, des Hier und Jetzt. Sie sind das Spiegelbild des Museums mit den Betrachtern.
Der Fotoapparat ist emotionslos, er fängt die Realität ein. Als Betrachter vor dem Bild sitzend habe ich die Spiegelungen schon irgendwie gemerkt, aber sie sind nicht ins Bild eingegangen. Auf jeden Fall nicht so dominierend, wie auf dem Foto oben. In Wirklichkeit ist alles was auf dem Bild den Museumsraum, die Menschen zeigt, eine leere schwarze Fläche.
How real is real?

Ich habe nur einmal fotografiert. Und ich bin froh, dass ich genau dieses Bild ausgesucht habe. Ohne zu wissen, dass was ganz anderes rauskommt als ich glaubte zu sehen.

Physikalisch lässt es sich natürlich erklären, es gibt schliesslich keinen Spuk (Haunting), entstehen so "alternative Fakten"? 

Ursel machte zuhause eine ähnliche Erfahrung mit dem Atompilz Nagasaki, ebenfalls von Robert Longo. Sie wurde mitten im Atompilz in die Höhe gerissen. Erschreckend ...

Bilder, die nach dem Fotografieren eine fast apokalyptische andere Sicht zeigen, als das was man im Museum sah oder glaubte gesehen zu haben.






Ein Vorschlag, wenn am Sonntag 28.01.2018 immer noch oder schon wieder Frühling ist, dann könnten wir nach Baden-Baden radeln. Warum? Das schreibe ich hier :-)
Wer Lust darauf hat, bitte bei mir melden :-)

der Treffpunkt ist wie bei allen Wintertouren um 11 Uhr in der Kronenstraße 9.


Nach Baden-Baden in die Innenstadt sind es 45 km. Die reine Radelzeit ist also 3 Stunden. Mit Pausen zwischendrin vielleicht knapp 3,5 Stunden.

Am Abend radeln wir dann runter zum Bahnhof Baden-Oos (5 km) und mit der Bahn zurück nach Karlsruhe.


Hinweis: Ich wurde gefragt, ob man auch in das Farbergé-Museum kann. Die Gestaltung der Zeit in Baden-Baden kann natürlich nach Belieben gestaltet werden. Das Farbergé-Museum ist in der Sophienstraße 30 und damit nicht übermäßig weit weg von der Lichtentaler Allee, wo die Museen LA8, Kunsthalle, Frieder-Burda-Museum. Zum Augustaplatz radeln und von dort über die Lichtentaler Straße zur Sophienstraße und dann rechts zum Museum.

Gestern am Sonntag (14.01.2018) hatten wir endlich mal wieder Sonnenschein und fast Frühlingswetter. Die Woche davor erhielt ich den Newsletter des Museumspasses. Mit einer Beschreibung der aktuellen Ausstellung "AMERICA! AMERICA! HOW REAL IS REAL ?" im Frieder-Burda-Museum.
William N. Copley, Imaginary Flag for U.S.A., 1972, stitched and sewn fabric (cotton, nylon, polyester), 127 x 182 cm, William N. Copley Estate, New York ©VG Bild-Kunst, Bonn 2017


09. Dezember 2017 – 21. Mai 2018



Mythen, Projektionen, Sehnsüchte: In Zeiten von „Fake News“ und „Alternative Facts“ wird deutlich, wie sehr der amerikanische Traum mit emotional aufgeladenen Bildern und Symbolen verwoben ist. Zugleich ist sich wohl kaum eine andere Nation der Wirkungskraft von Bildern so bewusst. Die Images des „American Way of Life“, die in den Medien und der Unterhaltungsindustrie produziert werden, können bestehende Machtverhältnisse und Vorstellungen von Wirklichkeit zementieren, aber auch radikal in Frage stellen. 

Mit rund 70 Meisterwerken der US-Gegenwartskunst, wie Andy Warhols Race Riot (1964), Jeff Koons lebensgroßer Skulptur Bear and Policeman (1988) oder Jenny Holzers Leuchtschriftinstallation Truisms (1994) zeigt America! America! How real is real?, wie Künstler von den 1960er-Jahren bis heute die amerikanische Realität kommentieren. Mit Werken aus der Sammlung Frieder Burda und zahlreichen hochkarätigen Leihgaben lädt die Schau zu einer Exkursion durch die visuelle Kultur Amerikas ein.

Schon die Stars der Pop Art wie Andy Warhol, Roy Lichtenstein oder James Rosenquist transformieren die Oberflächen der Konsumkultur in eine Kunst, die von ungeheurer Verführung und kühler Distanz spricht. Indem sie die Methoden der kommerziellen Bildproduktion übernehmen, verabschieden sie sich von den traditionellen Vorstellungen von Authentizität. Das Gefühl von Entfremdung verkörpern auch die Werke der großen US-Maler der 1980er. Die psychologisch aufgeladenen Leinwände von Eric Fischl, die hermetischen Szenen von Alex Katz, die riesigen Film-Noir-artigen Grafitzeichnungen von Robert Longo sezieren die Träume und Ängste einer verunsicherten weißen Mittelschicht. Zur selben Zeit erobern Künstler wie Jeff Wall oder Cindy Sherman die Szene, die unsere medial geprägte Wahrnehmung kritisch reflektieren. Sie werden zu Vorbildern für nachfolgende Generationen. Mit den Strategien der Konzeptkunst, Performance und Fotografie schaffen sie Bildwelten, in denen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Inszenierung zerfließen: How real is real?

(Ausstellungstext Frieder-Burda-Museum)

Trump mit seiner Einteilung in Fake News für alles, was nicht in sein Weltbild passt, wird künstlerisch noch nicht gezeigt.
Aber in unseren Köpfen sind ja diese aktuellen Bilder und Wahrnehmungen präsent und gehen in Wechselwirkung mit der Ausstellung.
Wie real ist real wirklich. Das allermeiste, was wir erfahren, erleben wir ja nicht selbst, sondern bekommen es über Medien vermittelt. Und ein jeder sieht es dann noch durch den Filter der eigenen Wahrnehmung.
Und jetzt durch das Internet, den sozialen Medien können von jedem beliebige Wahrheiten geschaffen werden. Und nun nicht mehr nur als Kunstform, sondern als "eigene" Realität.
Doch was ist Realität? Immer öfter hört man in den Nachrichten den Satz "die Informationen konnten nicht verifiziert werden".
Ist Realität wahr oder nur eine Wahrnehmung?
Eine Ausstellung, die zum Diskutieren anregt, aber auch zum Hinterfragen der eigenen Wahrnehmung und dem Umgang damit. Denn die Menschen sind Subjekte und keine Objekte, subjektive Wahrnehmung mischt sich in objektiv reale Tatsachen. Doch schon wieder die Frage, was ist real?
Eine Frage, die schon Platon mit seinem Höhlengleichnis philosophisch umtrieb.
(meine Gedanken dazu)

Kunsthalle Baden-Baden
Als ich später im Bistro der Kunsthalle meine Suppe aß, eine ganz reale wohlschmeckende Zuchini-Gemüsecreme-Suppe, hörte ich von oben aus der Kunsthalle immer wieder den Song of the Germans" in ungewohnter Form. Neugierig schlich ich nach oben. Und entdeckte eine ungewöhnliche Installation des nigerianischen Künstlers Emeka Ogboh zu der Frage, In welcher Position finden sich afrikanische Auswanderer im gegenwärtigen Deutschland/Europa wieder?
Ich habe ja den Museumspass, damit konnte ich dem Trieb der Neugierde folgen und ging nach oben. nachdem ich meine Suppe ausgelöffelt und den Tee ausgetrunken hatte.


Emeka Ogboh





If Found Please Return to Lagos



10.11.2017 — 19.00 Uhr – 04.2.2018


In welcher Position finden sich afrikanische Auswanderer im gegenwärtigen Deutschland/Europa wieder? Diese Frage diskutiert der nigerianische Künstler Emeka Ogboh in seiner ersten großen Einzelausstellung. Hierfür verwandelt er die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden in einen Klangkörper. Den Auftakt der Schau bilden zehn Lautsprecher, aus denen „The Song of the Germans“ ertönt, das Deutschlandlied. Dabei werden die Zeilen jedoch nicht wie gewohnt in deutscher Sprache, sondern in Douala, Igbo, Ewondo und weiteren afrikanischen Sprachen gesungen – den jeweiligen Muttersprachen der Sänger des Berliner Chors Bona Deus.
Emeka Ogboh setzt sich in seinen Werken intensiv mit dem Thema Immigration auseinander. Hierbei lässt er auch eigene Erfahrungen einfließen, die er in den Städten Lagos und Berlin gesammelt hat. Für seine Ausstellung in der Kunsthalle produziert der für seine Arbeiten vielfach ausgezeichnete Künstler auch zahlreiche ortsbezogene Werke, die sich auf den Geschmackssinn konzentrieren. So braut er für Baden-Baden eine Version des inzwischen legendären Bieres „Sufferhead Original“. Hierzu befragte er Menschen mit afrikanischem Hintergrund ihren Geschmackserlebnissen. Wie schmeckt Baden-Baden und welche Geschmäcker fehlen? Aus diesen gustatorischen Erfahrungen entwickelt er das Rezept für das dunkle Bier und stößt eine kritische Befragung von Begriffen wie Identität und Nationalität an. Für das Bier hat der Künstler außerdem in den prächtigen Räumen des Casinos einen Werbespot gedreht. Die Protagonisten sind Personen mit afrikanischem Hintergrund, die in der Stadt Baden-Baden und im Umland leben. Im Film schaffen diese gemeinsam das Bild einer kosmopolitischen Gesellschaft, die selbstbewusst mit Wurzeln, Einflüssen und Zwischenräumen umgeht. Hierfür gilt besonderer Dank den zahlreichen Mitwirkenden in Baden-Baden, die dieses Projekt erst möglich gemacht haben.
(Ausstellungstext der Kunsthalle Baden-Baden)