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Meine Eindrücke von Veranstaltungen

08.11.2017 Musikhochschule im Gottesauer Schloss Velte-Saal
Gesprächskonzert mit Stefan Kölsch

Es war ein Konzert, das meine Neugierde geweckt hat. Ehrlich gesagt konnte ich mir nicht wirklich etwas darunter vorstellen.
Es war etwas anderes, als ich mir vorstellte. Und damit aber auch umso interessanter. Es war eine Vorlesung. Der 3 Teil einer Vorlesungsreihe
Musik, Emotionen und Cognitive Neuroscience.

Professor Stefan Kölsch von der Universität Bergen, Norwegen  In der Fakultät für Psychologie ist er Professor für Biologische Psychologie und Musik Psychologie.
Die ersten beiden Vorlesungen aus dem normalen Lehrbetrieb befassten sich mit den theoretischen Grundlagen. Diese 3. Vorlesung wandte das theoretisch gelernte mit der Musik von Johannes Brahms an.
Die notwendigen theoretischen Grundlagen wurden immer in gut verständlicher Form vorausgeschickt.
Hier nur einzelne Punkte, die mich faszinierten.
Als erstes: Der wesentliche Unterschied in der Evolution zwischen den Menschen und den übrigen Spezies ist, dass der Mensch das einzige Wesen ist, das sich durch Musik äussern kann. Schon allein eine Gruppe zu bilden, die mit rhythmischem Klatschen ein gemeinsames Klangbild erzeugt, ist nur für Menschen möglich. Musik ist eine Eigenschaft zur Gruppenbildung. Und die Spezies Mensch kann nur in Gruppen überleben, in denen nicht nur das Gesetz des Stärkeren gilt, sondern auch altruistisches soziales Miteinander notwendig ist. 
Die westlichen Komponisten erzeugen in den Gehirnströmen mit ihren Kompositionen die gleichen Impulse wie die dazu passenden Stimmungen wie Freude, Angst, Trauer, Spass, Erwartung. Das Gehirn rechnet permanent im Voraus aus, was als nächstes kommt. Kommt als nächstes etwas anderes, tritt zunächst ein Überraschungseffekt auf und ein Spannungsbogen wird aufgebaut. Das Gehirn wartet auf eine Auflösung dieses Spannungsbogens. Frust kommt auf und eine Lösung wird gesucht, wenn dieser Spannungsbogen keine Auflösung erfährt.
Das gleiche geschieht in der Musik, wenn der Komponist in einer Modulation an unerwarteter Stelle das erwartete Klangbild verändert. Im Gehirn passiert dann das gleiche, wie eben beschrieben.
Ein Forscher dieser Universität hat in Afrika in einem Dorf, die zu westlicher Musik keinen Kontakt und Bezug hat, Kompositionen unserer Musik vorgespielt und dazu 3 Bilder von einem Mensch in Freude, Angst und Trauer gezeigt. In einer über der Zufallswahrscheinlichkeit liegenden Kurve war die Zuordnung zwischen der Musik und der Emotion passend wie es auch von Menschen, die mit der Musik vertraut sind, empfunden wird.
Besonders interessant war dann das Forschungsgebiet, wie Musik bei der Behandlung von Alzheimer helfend eingesetzt werden kann. Man hat festgestellt, dass bei Alzheimer-Patienten sich erstaunlich gut erinnern können, wenn bestimmte Musik, die einem Ereignis direkt oder indirekt zugeordnet werden kann, eingespielt wird. Man hat festgestellt, dass mit Musik genau das Zentrum im Gehirn stimuliert wird, das Nervenzellen erzeugen kann und somit zerstörte Nervenzellen ersetzen kann. Für dieses Forschungsgebiet wurde 2014 ein Nobelpreis vergeben.
Diesen theoretischen, aber sehr gut verständlichen Ausführungen, wurden entsprechende Klangpassagen von Brahms beigefügt.
Im Anschluss wurde dann das komplette Stück mit all seinen Modulationen von Johannes Brahms aufgeführt.

Professor Stefan Kölsch selbst spielte Violine
Anna Zassimova am Klavier,

der Genuss war vollkommen. Langer Applaus, man hätte gerne noch mehr des Musikgenusses :-)

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