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Stadterkundung Karlsruhe


Zusammenfassung

ADFC Stadterkundungs Radtour Geschichte, Architektur, Kultur, Natur

Die Tour beginnt am Marktplatz an der Pyramide, wo der Stadtgründer Karl-Wilhelm ruht und gibt über 50 km einen Querschnitt über das, was Karlsruhe an Geschichte, Architektur und vor allem auch an viel Natur liebenswert macht. Vorbei an den stadtprägenden Bauten von Weinbrenner, dem Rathaus, der Stadtkirche, Stephanskirche geht es über den Festplatz mit der Schwarzwaldhalle, am Vierordtbad und Zoo vorbei über den Hauptbahnhof zur Wasserwerksbrücke, durch den Oberwald nach Dammerstock, der von Gropius konzipierten Bauhaus-Siedlung. An der plätschernden Alb entlang, kommen wir hinter dem Hügel der Günther-Klotz:Anlage zum ZKM und von dort über die Jugendstilstrasse Sophienstrasse wieder an die Alb und von dort zum Hafen, am Windmühlenberg vorbei zum Rhein. Über Knielingen geht es wieder durch die Ludwig-Marum-Strasse (Jugendstilvillen), Hildapromenade in die Stadt zum Schloss mit Bundesverfassungsgericht, Botanischem Garten, Kunsthalle. An den Chinesenhäuschen im Fasanengarten fahren wir über Bernhardskirche und Schloss Gottesaue nach Durlach, wo mit der Karlsburg die Wiege von Karlsruhe steht. Als Abschluss erklimmen wir mit Fahrrad den Turmberg, der einzigen „Bergwertung“, und können noch einmal von hier oben unsere Tour betrachten.


In den Beschreibungen sind viele Links, über die tiefergehende Informationen aufgerufen werden können. So kann man immer tiefer in die Stadtgeschichte von Karlsruhe eintauchen. Und wer Lust hat, kann das ganze nachradeln. Auf Wunsch auch zusammen mit mir.


Die Links sind zur Zeit noch nicht komplett, sie werden jetzt aber laufend und zügig vervollständigt (08.05.2018 22:00). Die Idee, meine Stadttour mit weiterführenden Links als Nachschlagewerk zu komplettieren, wurde auf der Reha in der Falkenburg geboren. Diese Seite ist damit auch ein Tribute an den Physiotherapeuten, der mit seiner gesamten Art wesentlich dazu beträgt, dass ich bald wieder mit dem Fahrrad durch die Welt streifen kann. Die schönen Gespräche dabei über das Radeln und speziell, was es in Karlsruhe alles zu sehen und zu wissen gibt und mein latenter Wunsch, nachts nach allen Anwendungen in die S1 zu steigen und zu Hause mein Fahrrad zu holen,  führten dann dazu, diese Seite zu komplettieren. Vielen Dank für all die Motivation.

Stadterkundungs Radtour Geschichte, Architektur, Kultur   50 km


(zum Vergrössern Bild anklicken)




Marktplatz, Pyramide

Karlsruhe ist die einzige Stadt, in der der Stadtgründer wirklich authentisch unter dem Marktplatz begraben ist. Ursprünglich stand hier die Konkordienkirche, die Grabeskirche von Markgraf Karl-Wilhelm von Baden (1679 – 1738). Sie musste der Stadterweiterung nach Süden weichen. Das Grab selber wurde durch einen pyramidenförmigen Bauverschlag gesichert. Nach verschiedenen Entwürfen, unter anderem eine riesige Statue einer antiken Göttin, entschied sich Weinbrenner für die Pyramide. Sie hat seit Alters her die Symbolik der Unvergänglichkeit.
Auf der Platte, die den Eingang zur Pyramide verschließt, steht:
"Hier wo Markgraf Carl einst im Schatten des Hartwaldes Ruhe suchte und die Stadt sich erbaute die seinen Nahmen bewahrt auf der Staette wo er die lezte Ruhe fand weiht ihm dies Denkmahl das seine Asche verschliest in dankbarer Erinnerung Ludwig Wilhelm August Grosherzog 1823"

Rathaus, Evangelische Stadtkirche (Weinbrenner 1805, 1807)

Polizeirevier Marktplatz (Josef Durm 1900). Mit dem Gebäude für das Grossherzoglliche Badische Bezirksamt durchbrach Durm die klassizistische Marktplatzbebauung. Es wurde im Krieg nicht beschädigt. Im 3. Reich wurden hier Regimekritiker misshandelt. Die Judendeportationen gingen von hier aus.




(1) Ständehaus

Hier war 125 Jahre lang die erste Parlamentstätte Deutschlands

Stephanskirche (Weinbrenner, Tryptichon im Altarraum von Emil Wachter)

Emil Wachter hat auch die Fenster der Peter und Paul Kirche in Mühlburg sowie in Knielingen gestaltet. Die Innenbemahlung der Kirche im Zentrum von Ettlingen an der Alb ist ebenfalls von ihm. Am beeindruckendsten finde ich dort das visionäre Gemälde im Orgelraum. Es wurde schon 1989 gemalt, es stellt den Turmbau von Babel dar. Babel ist überall und jederzeit, drängt sich mir beim Betrachten auf. Aber wie gesagt, es wurde schon 1989 gemalt und mehr will ich nicht verraten, damit sich jede und jeder die eigenen Gedanken machen kann.

Doch zurück zur Stephanskirche. Der 63 m hohe Turm wurde nur widerwillig gebaut, da er nicht wirklich zum Pantheon passt. Mehrfach reichte er die Pläne ein, „vergass“ immer wieder den Turm, dafür noch Gebäude aussenrum. Auf die wurde gerne und auch aus Geldmangel verzichtet, und wie man sieht, wurde der Turm doch gebaut. Ursprünglich war die Kirche verputzt.

Anmerkung: Der Name Stephan war zu Ehren der Grossherzogin Stephanie de Beauhamais, einer entfernten Verwandten der Frau Napoleons, weil sie sich nachhaltig für den Katholizismus in Baden eingesetzt hat. Sie wurde 1806 mit dem Erbprinzen Karl von Baden verheiratet. Sie residierten im Mannheimer Schloss.

Naturkundemuseum (Karl Josef Berckmüller 1865, Neorenaissance, Schüler Weinbrenners) Geht auf die wissenschaftlich fundierte Sammeltätigkeit von Caroline Luise (1723-1783), Markgräfin von Baden, zurück.

Bundesgerichtshof (Josef Durm, Karl Ratzel 1891)

Der Bundesgerichtshof ist das oberste deutsche Gericht auf dem Gebiet der ordentlichen Gerichtsbarkeit und damit die letzte Instanz in Zivil- und Strafsachen. Es ist neben dem Bundesarbeitsgericht, Bundessozialgericht, Bundesfinanzhof, Bundesverwaltungsgericht eines der 5 Obersten Gericht des Bundes. Das Gebäude ist das ehemalige Erbgroßherzogliches Palais.

Über die Kriegsstrasse


 


(2) Festplatz


Schwarzwaldhalle, Nancyhalle (Erich Schelling 1953)

Das freitragende durchhängende Satteldach ist ein Hauptwerk der deutschen Nachkriegsarchitektur. Es ist der erste Hallenbau dieser Art in Europa. Die Kongresshalle, das heutige Haus der Kulturen der Welt in Berlin (Architekt Hugh Stubbins) wurde erst 1957 im Rahmen des internationalen Bauausstellung interbau gebaut. Nach dem Teileinsturz 1980 wurde auch die Karlsruher Halle gründlich überprüft. Das Dach der Schwarzwaldhalle ist allerdings anders konstruiert als das der Kongresshalle, deren Dach kühn auf nur 2 Pfeilern mit einem zusätzlichen Ringbalken ruht, sodass ein Einsturz wie in Berlin nicht möglich ist.



Vierordtbad (Josef Durm 1871)

Älteste Badeanstalt von Karlsruhe im Stil der Neorenaissance. Der Name kommt vom Bankier Heinrich Vierordt, der einen grossen Teil der Baukosten gestiftet hat. Die 60.000 Gulden hat er eigentlich für den Bau einer Markthalle gestiftet. Gegen deren Bau haben sich aber die Karlsruher Marktfrauen so heftig gewehrt, dass man schliesslich das Bad dafür gebaut hat.

 


Oberpostdirektion (Hermann Billing 1935)


War ursprünglich als zwei spiegelbildliche identische Bauten entworfen, die den Ettlinger Tor Platz einfassen sollten.

Badisches Staatstheater (Helmut Bätzner 1970)


Ursprünglich war hier der Hauptbahnhof. Da der Bahnverkehr aber immer stärker wurde, war die Südstadt weitgehend von der Stadt abgeschnitten. Ausserdem konnte sich der Bahnhof nicht mehr erweitern. Deshalb wurde er 1913 nach Süden an den heutigen Platz verlegt. Teile des ehemaligen Bahnhofs wurden Markthallen. Diese wurden 1970 abgerissen, damit das Badische Staatstheater gebaut werden konnte.


 




(4) Hauptbahnhof Karlsruhe (Stürzenacker 1913)


Da sich Karlsruhe beständig weiterentwickelte, 1900 hatte es bereits 100.000 Einwohner, war es um die Jahrhunderwende des letzten Jahrhundert notwendig, den damaligen Hauptbahnhof am Ettlinger Tor, der zu einem Verkehrsengpass wurde, weiter nach Süden zu verlegen. Den Wettbewerb gewann zwar Hermann Billing, er war der Bahnverwaltung aber zu unberechenbar und so erhielt Stürzenacker den Auftrag.

Anschliessend an den Hauptbahnhof kommt der Albtalbahnhof. Dies ist das Tor zum Albtal, wo seit 1897 die ersten Bahnen der Albtalbahn auf einer meterspurigen Strecke zunächst bis Ettlingen und dann Schritt für Schritt weiter bis Bad Herrenalb und Ittersbach weitergeführt. Wegen der Rußbelästigung wurde schon ab 1898 auf elektrische Vorortbahn umgestellt.
Ab 1958 wurde die Strecke auf Normalspur umgestellt und mit den neuen Gelenktriebwagen von Düwag befahren. Sie war damit die erste S-Bahn und der Vorläufer des weit ins Umland hinausreichenden "Karlsruher Modells".



Weiter bis zum Paketzentrum, links Richtung Tivoli, rechts zur


(5) Wasserwerksbrücke


Oberwald (Tiergehege)

Etwas besonderes sind die Przewalski-Pferde, die letzten echten Wildpferde. In freier Natur sind sie 1969 ausgestorben. Durch Züchtungen in verschiedenen Zoo’s gelang es die Art vor dem endgültigen Aussterben zu bewahren. Von den zur Zeit rund 250 wildlebenden Pferden in der Mongolei stammt ein Teil aus Karlsruhe. Den Namen haben sie von einem polnischen Offizier, der sie als Expeditionsreisender entdeckt hatte.



(6) Dammerstock (Gropius 1928)
Zeilenbauten und Grundrisse = Bauhaus.
Günstiger, zweckmässiger Wohnbau. Ziel dieses neuen Bauens war, durch Normierung günstigen Wohnraum zu erstellen. Kernelement jeder Wohnung war die "Frankfurter Küche", in der vom Wasseranschluss, Herd, ... alles vorhanden war, und so angeordnet, dass in der Küche effektiv gearbeitet werden konnte. Konzipiert wurde dieser Stadtteil von Walter Gropius. Gebaut wurden die einzelnen Zeilen von den damaligen Architekten des "Neuen Bauens".
Da unter den Nationalsozialisten dieser Baustil als bolschewistisch galt, erfolgte eine Randbebauung mit „deutschen“ Giebelhäusern.

An der Alb wieder zurück

(7) Stefanienbad (Weinbrenner)


Am Stefanienbad fährt man an der Alb in Richtung Günther-Klotz-Anlage. Am Wasserfall vorbei, unter dem Hügel hier verläuft der Tunnel der Südtangente. Vor der Europahalle biegen wir nicht den offiziellen Radweg über die Alb-Brücke ab, sondern bleiben oben. Wir kommen am Europabad vorbei und erreichen den Hügel der

(8) Günter-Klotz-Anlage, der grüne Lunge Karlsruhes. Hier findet alljährlich das FEST, ein nahezu kostenloses Open-Air-Festival des Stadtjugendausschusses statt. Wir biegen vor dem Hügel zu Europahalle ab. Die Plastik „Europa“ auf dem Dach des kleinen Vorbaus ist von Goertz, von dem unter anderem auch der Musengaul vor der Staatstheater oder Albrecht-Dürer-Hase vor dem Rechenzentrum der KIT (Universität Campus Süd) sind.

(9) Am Neuen Vincentius-Krankenhaus geht es zum ZKM (Zentrum für Kunst und Medien). Das ZKM ist auch Sitz der Hochschule für Gestaltung. Es befindet sich in einer ehemaligen Munitionsfabrik. Am Eingang zum ZKM erinnert eine Broncetafel an die Zwangsarbeiter in dieser Fabrik.

Im Hallenbau A ist die Städtische Galerie untergebracht.

(10) Wir radeln weiter Richtung Gartenstrasse, am Arbeitsamt vorbei und haben einen schönen Blick auf die Jugendstilbauten gegenüber. Durch die Lessingstrasse überqueren wir die Kriegstrasse und schwenken in die Sophienstrasse nach links Richtung Entenfang ein. Diese Strasse ist voll der schönsten Jugendstilbauten. Inklusive der Bonifatius-Kirche mit seiner prachtvollen Fassade und der Brücke rüber zum Pfarrhaus. (Kirchenbaumeister Johannes Schroth, Stil neuromanische Basilika in Form eines lateinischen Kreuzes, mit Jugendstilelementen)

Am Entenfang fahren wir wieder runter an die Alb und dann rechts Richtung Grünwinkel. Hinter der Unterführung liegt links oben der „Schupi“, ein Mundart-Theater. Es geht vorbei an der Albkapelle (Sie stand früher in der Durmersheimer Allee. Dort musste sie um 1900 allerdings der Straßenerweiterung weichen. Da die Totenmesse der Mutter der Familie Sinner (Brauerei) in dieser Kirche war, rettete die Familie Sinner diese Kirche und baute sie an der Alb auf dieser Anhöhe wieder auf) vorbei, über die Appenmühle (kleines Wasserkraftwerk) zum

Rheinhafenbad / Sonnenbad,


dem einzigen (Fast-)Ganzjahresfreibad der Region. Es hat ein 50 Meter Becken.
Die Öffnungszeiten gehen von Mitte Februar bis zum 1. Advent. Die 2 Monate im Winter werden für Revisionsarbeiten und Verbesserungen gebraucht. Möglich ist diese Ganzjahres-Öffnung dadurch, das der Freundeskreis Sonnenbad eV. dieses Bad unterstützt und einen großen Kreis von Sponsoren mit im Boot hat.



Wir sind jetzt auch schon am

(11) Hafen (1902)


Er ist heute einer der grössten Binnenhäfen Europas. Wegen seiner Wechsel der Baustile vom Historismus über den Funktionalismus bis heute steht er unter Denkmalschutz. Auf Wunsch der Bevölkerung sollte eine Verbindung über den Pfinzkanal bis zu einem Hafenbecken am Ettlinger Tor geschaffen werden. Weinbrenner und Tulla entwickelten verschiedene Entwürfe. Sie wurden aber aus Kostengründen nicht realisiert, es wären auch 8 bis 9 Staustufen nötig gewesen, da Karlsruhe ein ganzes Stück höher als der Rhein liegt.

Überragt wird er vom ehemaligen

Müllberg. Jetzt = Windmühlenberg, Solaranlage à Energieberg


Vorbei am  Hafensperrtor   gelangt man zum


(12) Rhein. Wir radeln hinter dem Damm, kommen am Tulla-Denkmal und dem Hofgut Maxau mit dem Knielinger Museum vorbei.

Über das Albhäusle kommt man nach Knielingen, Von dort nach Mühlburg 

(13) Dort fahren wir links über den Lindenplatz auf die Ludwig-Marum-Strasse mit sehr interessanten Jugendstil-Villen. Nach Überquerung der Blücher-Strasse geht es in die Hildapromenade. Wir kommen vorbei am ehemaligen Atellier vom Künstler, Grafiker, Bildhauer, Dichter, Markus Lüpperz. Von 1974 – 1986 war er Professor für Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste.

Über seine Karlsruher Zeit hat er folgendes Gedicht geschrieben:

„Karlsruhe war für mich die erste Freiheit
Das dunkle Berlin bestimmte mein Leben
Die kalten Nächte und ungeheizten Ateliers
Die große Straße, die Eckkneipe, die Ruhmlosigkeit
[…]
Und Karlsruhe lockte mich, den Dreißigjährigen
Und die Stadt und die Möglichkeiten knipsten das Licht an
Wärmten mich mit südlichem Charme
Und idyllischen Plätzen […]“

Markus Lüpertz

In Berlin hatte er vorher das Gedicht geschrieben:

„ich bitte euch, lasst mich leben
verachtet die kleinkinder unseres berufes,
die amateure, die mitmacher, die frömmler
liebt den boheme, ich bin ein boheme, liebt mich
[…]“

Markus Lüpertz (1973)


Christuskirche (Curjel & Moser) Grundkonzeption Neugotisch, so auch die Rosette eine Reverenz an das Strasbourger Münster, sie ist aber nicht gotischen Vorbildern verpflichtet, sondern der Idee des Zentralbaus. Ausserdem erfolgt eine Abkehr vom Historismus zum Jugendstil an der Aussenfassade, im Vorraum und Innenraum.


Der Bau geht auf eine Stiftung von Grossherzog Friedrich 1 von Baden (1826 – 1907) zurück, der den Baugrund zur Verfügung stellt. Von Curjel & Moser ist auch die Lutherkirche in der Oststadt. Dort ist es eine Kombination von Neuromanisch + Jugendstil.



(15) Von hier kann man zur è Baischstrasse radeln, dem Hauptwerk von Hermann Billing. Wir können aber auch folgenden „Umweg“ nehmen:



(16) Stephanien Brunnen
( Architekt Hermann Billing und Bildhauer Hermann Binz 1905)

ob dieser Brunnen nach der Grossherzogin Stephanie von Baden (1789 – 1860) benannt ist, ist nicht sicher. Vielleicht heisst der Brunnen auch nur dem Platz, dem Stephansplatz. Dies war der ehemalige Generalpostmeister der Deutschen Reichs, Heinrich Stephan, als die Hauptpost (jetzt Post-Galerie) 1900 eingeweiht wurde. Ursprünglich standen hier die Grenadierkasernen, die abgerissen wurden, als der Komplex in der Moltkestrasse fertiggestellt war. Hermann Billing bekam den Auftrag, dem jetzt brachliegenden Platz ein würdiges Aussehen zu geben. Die nackte Quellnymphe erregte bei den Stadträten Anstoss. Billing wurde immer wieder aufgefordert, eine bekleidete Figur in den Brunnen zu stellen, in seinen Entwürfen „vergass“ er diese Massgabe immer wieder. Sein letzter Entwurf war bekleidet und die Brunnenköpfe waren neutrale Faungesichter. Die Realisierung war dann wieder nackt, und die Köpfe waren Karikaturen stadtbekannter Perönlichkeiten, wie Oberbürgermeister Karl Schnetzler, den Malern Hans Thoma, Ludwig Dill,  Wilhelm Trübner und Hermann Billing sowie dem Bildhauer Hermann Binz, der den Brunnen realisierte. Besonders gelungen ist der Kopf des sittenstengen Abgeordneten Professor Reinhard Baumeister, der von einer kleinen Nixe am Bart gezupft wird (Kopf, wenn man Richtung Waldstr. guckt). Der Brunnen verursachte damals auch einen überregionalen Skandal, besonders auch durch die Diskussionen im Gemeinderat. In einer Münchner Zeitung fand sich dann auch eine Karikatur, in der der Brunnen mit einem Sichtschutz umgeben war mit einem Schild „Zutritt nur für Erwachsenen mit einem sittlich gefestigten Charakter“. Allerdings sorgten solche Eigenarten auch dafür, dass Hermann Billig in Karlsruhe relativ wenig Aufträge bekam. So hat er zwar den Wettbewerb für den Hauptbahnhof gewonnen, aber da sich die Bahnverwaltung nicht sicher sein konnte, wie der Bahnhof dann realisiert würde, bekam Stürzenacker den Auftrag (1913).



(17) Prinz-Max-Palais

Villa der Brauer Familie Schmieder (1824), nach deren Tod erwarb es Prinz Maximillian von Baden (später Reichskanzler). Dann Industrie und Handelkammer. Nach dem Krieg BVG bis 1969. Dann Städtische Galerie, bis diese in den Hallenbau A am ZKM umzog. Jetzt Museum für Stadtgeschichte und Jugendbibliothek.



Münze (Weinbrenner 1826, Friedrich Theodor Fischer)

Prägezeichen „G“ ist auf allen Münzen aus Karlsruhe. Im Innenhof steht die Weinbrennerbüste.
Stephanienstraße 28a



(15)èVillenkolonie Baischstr. (Hermann Billing)

Jugendstil-Gesamtkunstwerk, die sich an Pariser Vorbilder anlehnt. Die Portalfassade war ursprünglich farbig gestaltet. Dieser Eindruck ist heute nur noch im Haus Baischstr. 5 wieder sichtbar.

Die Fassade mit dem Doppelhaus, das zeitweilig von Billing als Atelier genutzt wurde, war ursprünglich mit dem überlebensgrossen Akt das „Haus der goldenen Eva“. Nach dem Brand der Obergeschosse 1942 wurde das Obergeschoss gefühlslos als Flachbau ausgeführt. Erst 1990 wurden unter dem Architekten Jörg Pfisterer die Giebel, allerdings nicht mehr in historischer Form wiederhergestellt.

 


àÜber Bismarckstr. zum Schloss




(18) Schloss

Legende vom an dieser Stelle nach der Jagd eingeschlafenen Markgrafen Karl-Wilhelm von Baden-Durlach, der den Traum hatte, an dieser Stelle ein Schloss zu errichten. Daher der Name Karlsruhe. Die Fächeridee am Reissbrett kam durch den verloren gegangenen Prunkfächer seiner Frau Prinzessin Magdalena Wilhelmina aus Württemberg. Eher den Tatsachen entspricht, dass die zum Schloss ausgebaute Karlsburg, durch den Französischen König niedergebrannte Burg in Durlach, es notwendig machten, die Karlsburg zu renovieren. Dadurch hätte die Karlsburg auch damals nicht dem Stand der Technik entsprochen. Ausserdem gab im Zeitalter des Absolutismus das Schloss von Versailles vor den Toren von Paris vor, wie ein Schloss auszusehen hat. Eheliche Differenenzen zur Gattin Wilhelmina, liessen ihn die Ruhe in einer neuen Residenz und Stadt suchen. Karlsruhe. Der erste Bau war aus Holz und hatte nur ein Geschoss, weil Karl-Wilhelm sein Schloss noch zu Lebzeiten erleben wollte. Nach dem Tod stand das Schloss einige Jahre leer, begann zu verrotten. Bis sich dann sein Enkel Karl-Friedrich entschloss, Karlsruhe als Residenz beizubehalten. Namhafte Baumeister (Leopoldi Retti, Maurizio Pedetti, Philippe de Gûepière, Balthasar Neumann (Treppenhaus Schloss Bruchsal)) bauten das Schloss in seiner heutigen Form.  Im Krieg brannte das Schloss total aus, sodass heute nur noch die Aussenfassaden erhalten sind, im Inneren ist es ein Zweckbau, der das Badische Landesmuseum beherbergt. Vom Schlossturm hat man einen fantastischen Blick und kann sehr gut die Fächerstruktur erkennen.

Das Schloss war urprünglich nur als Jagd- und Lustschloss konzipiert. Nachdem Karlsruhe aber die Residenzstadt wurde, brauchte es auch Einwohner. In Zeiten, wo es noch keine Religionsfreiheit gab (huius regio, cuius religio), wurde der Privilegienbrief herausgegeben.
Es galt Religionsfreiheit, es wurden Grundstücke für Protestanten (Kleine Kirche, Stadtkirche), Katholiken (Stephanskirche), Juden (ehemalige Synagoge in der Kreuzstraße) zur Verfügung gestellt, Bauholz zum Bauen, allerdings durften nur Musterhäuser mit vorgegebenem Aussehen gebaut werden. Es herrschte Gewerbefreiheit, ... Damit war Karlsruhe seiner Zeit weit voraus.

Schlossgarten




Majolika

Ist die einzige Kunstkeramik-Manufaktur in Deutschland, die heute noch produziert. Die Nähe zum Schloss ist nicht zufällig, war doch dort das Hofwasserwerk (Karl Philip Dyckerhof), dessen oktogonaler Wasserturm zu den ältesten intakten in Deutschland gehört. Mit dem benachbarten E-werk erhielt man die Energie.



Bundesverfassungsgericht

Ursprünglich im Prinz-Max-Palais. Dann im vom Berliner Architekten Paul Baumgarten entworfenen heutigen Bau. Hier stand früher das Hoftheater. Weinbrennerbau 1847 niedergebrannt, Heinrich-Hübschbau 1944 ausgebrannt. Baumgarten entwarf einen Neubau. Erhielt aber dann den Auftrag für das BVG an gleicher Stelle. Jetziger Erweiterungsbau vom Berliner Architekten Michael Schrölkamp.



Botanischer Garten, Orangerie

(Heinrich Hübsch 1853)




Fasanengarten / Chinesenhäuschen




Universität,jetzt KIT Campus Süd
(Heinrich Hübsch 1832) „neuer Baustil, Abkehr vom Historismus)
Die Gründung des Polytechnikums Karlsruhe erfolgte durch Großherzog Ludwig von Baden am 7. Oktober 1825 in Karlsruhe. Sie war damit eine der ersten Hochschulen dieser Art in Deutschland. Die Hochschule entstand aus der Zusammenlegung der Bauschule des Architekten Friedrich Weinbrenner, der von Johann Gottfried Tulla 1807 gegründeten Ingenieurschule sowie den Realklassen des Karlsruher Lyzeums. Als Vorbild diente die École polytechnique in Paris. (Quelle Wikipedia)

 


(19) Bernharduskirche (Max Meckel 1891)


Der Bau geht ebenso wie bei der Christuskirche auf eine Stiftung von Grossherzog Friedrich 1 von Baden (1826 – 1907) zurück, der den Baugrund, den Hofküchengarten zur Verfügung stellt. Bedingung war, dass es ein markanter stadtprägender Bau war. Um Baukosten zu sparen, wurde zunächst ein Hügel aufgeschüttet. Die 93 m hohe Einturmfassade mit seinem Masswerk lehnt sich am Freiburger Münster an, dem einzigen grossen im Mittelalter vollendeten Kirchenbau. Der Bau ist innen wie aussen steinsichtig. Im Innern ist ein in Kupfer getriebenens Standbild des Kirchenpatrone Markgraf Bernhard 2 von Baden (1429 – 1458), das dem Bild des „christlichen Ritters“ folgt.
Die Bernharduskirche am Durlacher Tor bildet den östlichen Anschluss des Stadtbereiches von Karlsruhe, die Christuskirche als Pendant am Mühlburger Tor den westlichen Abschluss.



Lutherkirche (Curjel & Moser 1905)

Neuromanisch mit Jugendstilelementen. Vor allem im Innenraum, der der Christuskirche, die ebenfalls von Curjel & Moser entworfen ist, ähnlich ist.



Gottesauer Schloss

Heute Sitz der Musikhochschule. Abends sind immer wieder kostenlose Konzerte der einzelnen Klassen. Sehr empfehlenswert. Im Sommer ist im Garten das Open Air Kino der Schauburg.
1094 wurde es als Benediktinerabtei gestiftet. Bis 1525 war es Kloster und wurde dann niedergebrannt und geplündert. Es wurde als Schloss wieder aufgebaut und hatte in den folgenden Jahrhunderten eine wechselvolle Geschichte mit Zerstörungen, neuen Nutzungen, ... So war es Polizeischule und Kaserne. Im 2. Weltkrieg war es dann so stark zerstört, dass es gesprengt werden musste. Der Wiederaufbau begann 1982, nachdem seine Nutzung als Musikhochschule beschlossen war.



(20) Durlach

Amthausstrasse, Baseler Tor

Rathaus

Durlach Karlsburg (ursprünglicher Sitz der Markgrafen, siehe auch unter Schloss)


Turmberg mit Blick über Karlsruhe. Hochradeln (oder mit Turmbergbahn).


Weitere Architektur und anderes in Karlsruhe:
Abseits dieser Radroute gibt es natürlich noch vieles weitere zu entdecken.
Jetzt baut zum Beispiel Weissenburger sein Verwaltungsgebäude am Ludwig-Erhard-Boulevard. Entworfen vom japanischen Architekten Tadao Ando, einem der bedeutensten Architekten. Ich bin mal gespannt, wie das Gebäude in Karlsruhe wirkt.

Ein markantes Gebäude ist die Heinrich-Hübsch-Schule am Mendelson-Platz. Ich wurde gefragt, wer es gebaut hat. Ich habe jetzt nachgesehen: Professor Heinz Mohl 1983 -1985.
Es fügt sich mit seiner interessanten modernen Architektur sehr gut in die umliegenden Altbauen ein.
Die Klinkerhandschrift der Heinrich-Hübsch-Schule erkennt man an weiteren Bauten von ihm in Karlsruhe, wie die Erweiterung der Mensa und der gegenüberliegenden Bibliothek am KIT (Universität), den Erweiterungsbau der Kunsthalle, das Rechenzentrum der L-Bank. am Schloßplatz


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